Wein aus Kampanien
Kampanischer Wein lebt von Gegensätzen. Aglianico bringt im höher gelegenen Irpinia strukturierte und oft langsam reifende Rotweine hervor, während Fiano und Greco zeigen, welche Frische, Substanz und Reifefähigkeit Weisswein aus Süditalien besitzen kann. Im Sannio erhält Falanghina besonderes Gewicht. Richtung Neapel und Küste treten Piedirosso, Biancolella und weitere lokale Sorten hinzu.
Besonders eindrücklich wird diese Vielfalt an der Costa d’Amalfi. In Furore, Ravello und Tramonti entstehen Weine in einer steilen Kulturlandschaft über dem Meer, deren Rebsorten und Bedingungen sich deutlich von jenen des kampanischen Binnenlandes unterscheiden. Kampanien besitzt deshalb keinen einheitlichen Weinstil. Herkunft, Höhenlage und lokale Rebsorten bestimmen stärker als die einfache Einteilung in einen vermeintlich typischen südlichen Charakter.
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Landschaften zwischen Apennin und Meer
Östlich von Neapel liegt mit Irpinia eine grüne, höher gelegene Landschaft aus Hügeln, Tälern und Bergen. Viele Weinberge befinden sich mehrere hundert Meter über dem Meer, die Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen können ausgeprägt sein und die Trauben reifen vergleichsweise spät. Hier liegen die Herkunftsgebiete von Taurasi, Fiano di Avellino und Greco di Tufo.
Nördlich davon erstreckt sich das Sannio rund um Benevento mit eigenen Tälern und Hügeln. Richtung Caserta treten weitere historische Rebsorten und Herkunftsgebiete hinzu.
Erst näher an Neapel wird Vulkanismus zu einem prägenden Teil der Weingeschichte. Campi Flegrei und die Hänge des Vesuvs besitzen jeweils eigene geologische und weinbauliche Bedingungen. Sie stehen nicht stellvertretend für ganz Kampanien.
An der Costa d’Amalfi verändert sich die Landschaft erneut. Weinberge und Zitronengärten liegen teilweise auf schmalen Terrassen über dem Meer. Weiter südlich folgt mit dem Cilento ein mediterraner Raum, der nochmals eine andere Seite Kampaniens zeigt. Auf relativ engem Gebiet treffen damit Gebirge, Binnenland, vulkanische Zonen und Küste aufeinander.

Alte Rebsorten als roter Faden
Kampanien besitzt einen aussergewöhnlichen Bestand lokaler Rebsorten. Aglianico bildet die Grundlage einiger der bedeutendsten Rotweine des Binnenlandes und steht besonders für Taurasi und Aglianico del Taburno. Die Sorte kann ausgeprägte Säure und Gerbstoffstruktur mitbringen und Weine hervorbringen, die von längerer Reife profitieren.
Piedirosso zeigt eine andere rote Seite der Region und ist besonders rund um Neapel und in Küstengebieten wichtig. Sciascinoso, Casavecchia und Pallagrello Nero ergänzen das Bild regionaler roter Sorten.
Bei den Weissweinen stehen Fiano und Greco im Zentrum Irpinias. Falanghina ist besonders stark mit dem Sannio verbunden, wird aber auch in anderen Gebieten Kampaniens angebaut. Coda di Volpe, Biancolella und weitere lokale Sorten erweitern die Vielfalt. Gerade an der Küste zeigt sich, wie wenig Kampaniens Weinbau auf einige bekannte Rebsorten reduziert werden kann.
Von Taurasi bis zur Costa d’Amalfi
Irpinia besitzt mit Taurasi DOCG, Fiano di Avellino DOCG und Greco di Tufo DOCG drei eigenständige und international bekannte Herkunftsgebiete. Taurasi basiert überwiegend auf Aglianico und steht für strukturierte Rotweine mit Entwicklungspotenzial. Fiano di Avellino und Greco di Tufo zeigen zwei unterschiedliche Ausdrucksformen kampanischer Weissweine.
Im Sannio kommen mit Aglianico del Taburno DOCG und Falanghina del Sannio DOC weitere wichtige Herkünfte hinzu. Rund um Neapel bilden Campi Flegrei DOC und Vesuvio DOC zwei voneinander zu unterscheidende Weinlandschaften. Lacryma Christi gehört dabei zur Vesuvio DOC und ist keine eigenständige Herkunft neben ihr.
Die Costa d’Amalfi DOC besitzt mit Furore, Ravello und Tramonti drei Unterzonen. Falanghina und Biancolella sind für die Weissweine wichtig, während Piedirosso bei den Rotweinen eine zentrale Stellung einnimmt. Das Gebiet ergänzt die Berg- und Hügellandschaften des Binnenlandes um eine der markantesten Küstenherkünfte Kampaniens.
Spezialitäten zwischen Gragnano und Amalfiküste
Auch kulinarisch lässt sich Kampanien nicht auf Neapel und Pizza reduzieren. Pasta di Gragnano IGP steht für eine eng mit ihrem Herstellungsort verbundene Pastatradition. Tomaten aus kampanischen Herkunftsgebieten, Mozzarella di Bufala Campana, Gemüse, Käse sowie Fisch und Meeresfrüchte prägen unterschiedliche Teile der regionalen Küche.
Eine besondere Rolle spielen die Zitronen der Küste. Limone di Sorrento IGP und Limone Costa d’Amalfi IGP sind zwei eigenständige geschützte Herkünfte. Die aromatischen Schalen ihrer Früchte sind eng mit der Herstellung von Zitronenlikör verbunden. Limoncello ist deshalb nicht nur ein Digestif, sondern Teil einer Kulturlandschaft, in der Zitronenanbau, Küche und Verarbeitung miteinander verbunden sind. Neben Zitronenlikören entstehen in Kampanien auch weitere Frucht- und Crema-Liköre.

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Familienbetriebe und lokale Traditionen
Die Vielfalt Kampaniens spiegelt sich in den Produzenten wider. Im Binnenland stehen Aglianico, Fiano und Greco im Mittelpunkt, an der Küste teilweise ganz andere Sorten und kleinräumigere Weinberge. Auch bei den Likören reicht das Spektrum von spezialisierten Zitronenlikören bis zu Betrieben mit unterschiedlichen Frucht- und Crema-Spezialitäten.
Entscheidend ist dabei nicht ein vermeintlich kampanischer Einheitsstil. Herkunft, lokale Sorten, Rohstoffe und handwerkliche Entscheidungen führen zu sehr unterschiedlichen Produkten, die gerade gemeinsam ein präziseres Bild der Region ergeben.
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Kampanien auf dem Teller und im Glas
Kampanische Weissweine passen besonders gut zur ausgeprägten Meeresküche der Region. Falanghina, Greco und die Weissweine der Costa d’Amalfi begleiten Fisch, Krustentiere, Gemüse und Pasta mit leichteren Saucen. Strukturiertere Fiano-Weine können auch zu gehaltvolleren Gerichten bestehen.
Piedirosso und ausgewogene Küstenrotweine passen zu Pasta mit Tomaten- oder Fleischsaucen und weniger schweren Fleischgerichten. Gereifter Aglianico und Taurasi finden in Ragù, Schmorgerichten, Lamm oder kräftigem Käse die passenden Partner.
Nach dem Essen setzt die Likörtradition einen anderen Akzent. Klare Zitrusliköre wirken frisch und aromatisch, Crema-Liköre weicher und süsser. So führt Kampaniens Genusswelt vom Bergwein bis zur Küste und vom Teller bis zum Digestif.

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