Wein aus Venetien – Vielfalt auf engem Raum
Zwei der berühmtesten Namen Italiens, Prosecco und Amarone, stammen aus dem Veneto. Die Region nur über diese beiden Weine zu erklären, würde ihr dennoch kaum gerecht. Rund um den Gardasee entstehen frische Rot-, Rosé- und Weissweine. Wenige Kilometer weiter östlich beginnt mit der Valpolicella eine Rotweinlandschaft, die vom lebendigen Alltagswein bis zu konzentrierten Appassimento-Weinen reicht. Östlich von Verona übernimmt Garganega die Hauptrolle, bevor sich Richtung Vicenza, Treviso und Piave nochmals andere Rebsorten und Herkünfte öffnen.
Für die Auswahl ist deshalb die Herkunft oft aufschlussreicher als eine Vorstellung vom typischen Veneto-Wein. Bardolino steht für Frische und Leichtigkeit, Soave für die weisse Seite der Veroneser Hügel, Valpolicella für ein besonders breites Spektrum roter Weinstile. Prosecco wiederum führt in die Hügellandschaften des östlichen Veneto.
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Vom Gardasee bis zu den Voralpen
Im Westen haben eiszeitliche Gletscher rund um den Gardasee ein weites Amphitheater aus Moränenhügeln geschaffen. Der See mildert das Klima und prägt die Landschaften von Bardolino und Custoza. Weiter östlich beginnen die Täler und Hänge der Lessinischen Berge. In der Valpolicella wechseln kalkhaltige Bereiche, alluviale Talböden und lokale vulkanische Formationen.
Rund um Soave und das Val d’Alpone tritt der vulkanische Ursprung vieler Böden besonders deutlich hervor. Basalt und Tuff treffen auf kalkhaltige Zonen und schaffen eine vielgestaltige Weissweinlandschaft. Richtung Vicenza und Treviso wächst der Einfluss der Voralpen. Hügel und höhere Lagen treffen dort auf Ebenen, die von Flüssen wie Brenta und Piave geformt wurden.
Weiter südlich öffnet sich die grosse venezianische Ebene bis zur Lagune und zur Adria. Gerade dieser schnelle Wechsel zwischen See, Hügeln, Voralpen, Flussebenen und Küste erklärt, weshalb sich Veneto kaum auf einen einzigen Weinstil reduzieren lässt.

Corvina, Garganega, Glera und regionale Rebsorten
Corvina gehört zu den wichtigsten roten Rebsorten des westlichen Veneto. Sie verbindet Bardolino und Valpolicella und zeigt besonders anschaulich, wie unterschiedlich dieselbe Rebsortenfamilie interpretiert werden kann. Rondinella begleitet sie in beiden Gebieten, während Corvinone vor allem in der Valpolicella zusätzliche Struktur und Würze beitragen kann.
Bei den Weissweinen ist Garganega eng mit den Veroneser Hügeln verbunden. Im Soave prägt sie die Herkunft, während sie im Custoza Teil einer traditionellen Cuvée mehrerer Rebsorten ist.
Weiter östlich bestimmt Glera die verschiedenen Prosecco-Herkünfte. Daneben erzählen weniger bekannte Sorten von kleineren Weinlandschaften: Vespaiola gehört zu Breganze, Durella zu den Monti Lessini und Raboso zur Piave-Ebene. Gerade diese Reben machen sichtbar, wie viel regionale Identität jenseits der bekanntesten Namen erhalten geblieben ist.
Bardolino, Valpolicella, Soave und der Osten Venetiens
Am Gardasee teilen sich Bardolino und Custoza eine von eiszeitlichen Moränen geprägte Landschaft. Bardolino steht für einen eher leichten, frischen Rotweinstil, während Chiaretto hier eine ausgeprägte Rosétradition besitzt. Custoza zeigt auf denselben Hügeln die weisse Seite des Gebiets.
Nur wenig weiter östlich beginnt die Valpolicella. Bemerkenswert ist die Nähe zu Bardolino: Corvina und Rondinella spielen auf beiden Seiten eine zentrale Rolle, dennoch entstehen ausgesprochen unterschiedliche Weine. Die Etsch bildet in Teilen dieser Übergangslandschaft eine markante geografische Schwelle, doch Boden, Topografie, Exposition und Weinbereitung sind ebenso entscheidend für den stilistischen Gegensatz.
Östlich von Verona folgt Soave mit Garganega und einer Landschaft aus vulkanischen und kalkhaltigen Hügeln. Richtung Vicenza schliessen Breganze und die Monti Lessini an. Noch weiter östlich führen Asolo, Montello und Conegliano-Valdobbiadene in die bedeutenden Prosecco-Hügellandschaften, während entlang des Piave mit Raboso eine ganz andere Rotweintradition erhalten geblieben ist.
Prosecco – vom grossen Herkunftsgebiet bis in die Hügel
Prosecco gehört eng zum Veneto, reicht als Herkunftssystem jedoch über die Regionsgrenze hinaus. Die Prosecco DOC umfasst neben Veneto auch Friuli Venezia Giulia. Innerhalb Venetiens stehen ihr mit Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG und Asolo Prosecco DOCG zwei deutlich enger gefasste Hügelherkünfte gegenüber.
Besonders Conegliano-Valdobbiadene zeigt, dass Prosecco nicht nur über Rebsorte und Herstellungsverfahren verstanden werden kann. Herkunft, Hanglage und einzelne Teilgebiete spielen hier eine wesentlich grössere Rolle, als der gemeinsame Name zunächst vermuten lässt.
Spezialitäten aus Venetien – vom Berg bis zur Lagune
Auch kulinarisch lässt sich Veneto fast wie eine Reise von den Bergen bis zum Meer lesen. In den Alpen und Voralpen prägt die Milchwirtschaft zahlreiche lokale Käsetraditionen. Asiago gehört zu den bekanntesten Namen. Im östlichen Veneto reicht zudem das Produktionsgebiet des Montasio DOP über Belluno und Treviso bis in Teile von Padua und Venezia. Montasio ist damit kein ausschliesslich venetischer Käse, gehört aber fest zur Genusslandschaft des Nordostens.
In der Veroneser Ebene verändert sich das Bild. Quell- und Grundwasser speisen Reisfelder, in denen Riso Nano Vialone Veronese IGP wächst. Risotto ist hier unmittelbar mit der Landwirtschaft verbunden und begegnet je nach Jahreszeit Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse oder Wein.
Treviso und Castelfranco stehen für ihre Radicchio-Traditionen, während die Verarbeitung von Schweinefleisch zahlreiche lokale Salumi hervorgebracht hat. Neben der Soprèssa Vicentina finden sich regionale Varianten wie die trevisanische Soprèssa investida, bei der ein Schweinefilet im Inneren der Wurst liegt.
Im Vicentino bekommt Stockfisch eine besondere Bedeutung. Bacalà alla Vicentina besitzt eine so starke lokale Identität, dass Sandrigo ihm eine mehrtägige Festa widmet. In Venedig wird aus demselben Ausgangsprodukt eine völlig andere Spezialität: Baccalà mantecato wird fein und cremig verarbeitet und häufig mit Polenta serviert. Zwei Gerichte zeigen damit, wie stark lokale Küchen innerhalb derselben Region eigene Wege gehen.
An der Lagune und an der Küste kommen Fisch und Meeresprodukte hinzu. Veneto endet kulinarisch ebenso wenig bei Polenta und Risotto wie weinbaulich bei Amarone und Prosecco.

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Produzenten zwischen Gardasee, Verona und Treviso
Die Weinlandschaft Venetiens wird von sehr unterschiedlichen Betrieben geprägt. Neben grösseren Kellereien arbeiten zahlreiche familiengeführte Produzenten in einzelnen Tälern und Hügelzonen. Manche konzentrieren sich stark auf eine Herkunft, andere erzeugen mehrere traditionelle Weinstile innerhalb ihres Gebiets.
Gerade bei bekannten Namen wie Bardolino, Valpolicella, Soave oder Prosecco sagt die Herkunft deshalb noch nicht alles über den einzelnen Wein aus. Lage, Rebsorten, Weinbergsarbeit, Ertrag, Lese und Ausbau lassen innerhalb derselben Denomination deutlich unterschiedliche Handschriften entstehen.
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Küche und Wein – regionale Nähe ohne starre Regeln
Die landschaftliche Vielfalt Venetiens setzt sich am Tisch fort. Frischer Bardolino begleitet Pasta, Risotto, Salumi und leichtere Gerichte, während Custoza und Soave gut mit Gemüse, Fisch, Risotto und vielen Speisen der Lagunenküche harmonieren.
Im Vicentino gehört Vespaiolo zu den klassischen Begleitern von Bacalà alla Vicentina. Rund um Venedig treffen frische Weissweine und Schaumweine auf Fisch und Baccalà mantecato. Gereifte Käse, Polenta, Wild und geschmortes Fleisch bieten dagegen Raum für strukturiertere Rotweine aus der Valpolicella.
So entsteht keine einzelne typische Kombination für Veneto. Wie die Landschaft wechseln auch Küche und Wein auf kurzer Distanz ihren Charakter.





























